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Der Hunger im Innern

Aktualisiert: 11. Nov 2018

Kennst du das Gefühl von Hunger? Richtig hungrig zu sein, weil du schon lange nichts mehr gegessen hast, und dein Körper nach Energie verlangt, um dir weiterhin dienen zu können? Auch wenn es für die meisten für uns ein eher seltenes Gefühl sein wird; Ich bin mir sicher du kannst dir vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn der Bauch grummelt und brummt, und all deine Aufmerksamkeit braucht…


Es gibt noch ein weiteres Gefühl von Hunger, das nach Aufmerksamkeit verlangt. Es ist der innere Hunger, der sich jedes Mal dann bemerkbar macht, wenn es Zeit ist für den nächsten Schritt. Es ist das Gefühl von etwas angezogen zu werden, wie ein Magnet, ein Verlangen so tief, so sehnsüchtig nach Erfüllung suchend, dass keine Nahrung es befriedigen kann. Es ist der Hunger der Seele, die danach strebt, sich auf der nächsten Ebene weiterzuentwickeln und das Vergangene abzuschliessen und zu integrieren, um sich voller innerem Verlangen Neuem zuzuwenden...

Wie der Bauchhunger möchte auch die Seele mit ihrem Hunger deine Aufmerksamkeit. Ihr hartnäckiges Pochen kann uns leicht dazu bewegen, sie möglichst schnell zu befriedigen, und dann füllen wir die innere Leere mit Ersatz-Befriedigungen, nach denen wir ehrlich gesagt nicht verlangen, und die uns niemals gänzlich sättigen werden. Denn der innere Hunger ist mehr als blosses Verlangen.


Es ist die Sehnsucht uns selbst voll und ganz auf etwas Grösseres einzulassen.



Ich möchte den inneren Hunger als eine Kraft bezeichnen. Eine Kraft, die uns antreibt, die uns hinaus gehen lässt in die Welt, um die Wahrheit zu leben, die wir tief in uns fühlen….


Manchmal achten wir aber gar nicht auf das Ziehen im Bauch, sondern lassen es links liegen, als ob es unwichtig wäre, Asche von gestern. Wir übersehen (absichtlich?) die Kraft, das Potential, welches im schieren Zittern des Hungrig-Seins liegt.

Der hungrige Ruf der Seele allerdings, übersteigt jedes körperliche Verlangen, weil es wie Magma aus der Tiefe in uns emporsteigt. Wir denken, dies bin nicht ich, das kann kein Teil meines Selbst sein. Haben wir Angst? Sind wir nicht mutig genug für uns selbst?

Doch genau das ist es, was unsere Seele im Grunde von uns verlangt: Den Hunger im Innern zu befreien, und ihn als Wegweiser für uns zu nutzen. Hierfür jedoch ist es notwendig sich für die Kraft im Innern zu öffnen! Den inneren Hunger, das Ziehen in unserer Brust und in unseren Herzen wahrzunehmen ist ein erster Schritt in diese Richtung! Er lädt uns ein, den Fuss in die halb offene Tür zu stellen, um den Blick dahinter zu wagen.


Ab dem Zeitpunkt, da wir uns für unsere Herzenssehnsucht öffnen, sind wir augenblicklich mit der Quelle, dem inneren Malstrom verbunden. Wie ein Vulkan, der das heisse Magma über tausende von Jahren in sich zu halten vermag, nutzen auch wir die Kapazität unseres grossen Körpers als Gefäss, in welchem wir unsere Sehnsüchte und Wünsche glühen lassen. Zur richtigen Zeit erwacht das noch glühende Pochen der Seele, und wirft sich funkenspeiend über die Flächen unserer abgestorbenen Seelenlandschaft, um den ausgehungerten Boden unter unseren Füssen wieder fruchtbar zu machen.

Dies ist ihr Vermächtnis. Dies ist möglich, wenn wir uns mit dem Künder der Herzenswünsche, dem inneren Hunger vermählen, ihm aufmerksam zuhören. Und es ist an uns, dieses Geschenk anzunehmen oder nicht.



Die Sehnsucht sagt uns, dass sie uns niemals verlassen hat und uns niemals verlassen wird. Sie ist unsere loyalste Begleiterin, die uns daran erinnert, dass unser Zuhause in der Weite unseres Herzens ist, und dass das, wonach wir ständig suchen, nirgendwo anders zu finden ist, als in uns selbst.

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